Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen einige Einblicke in mein Buch geben. Anhand dieser Ausschnitte sollte gut erkennbar sein, dass sich jeder angesprochen fühlen darf, entweder als pflegender Angehöriger oder jemand, der sein Leben einfach optimieren möchte. Viel Spaß!

 

Zurück zum Menschen – Empathie

 

Immer wieder habe ich während meiner Betreuungen erlebt, dass die Uhren bei den zu pflegenden Menschen ganz anders ticken. Die einzige Möglichkeit, dies gut zu ertragen ist, die eigene Uhr zu Hause zu lassen und sich ganz auf deren Zeitrechnung einzustellen. Auf der Dorfstraße gibt es keine Überholspur, da können Sie sich nur hinter dem Traktor einordnen und ebenfalls langsam dahintuckern. Sagen Sie einmal einem Menschen mit Demenz, dass sie um neun Uhr einen wichtigen Arzttermin haben und er sich jetzt beeilen müsse. Nichts wird passieren, das Ihnen dabei hilft, pünktlich zum Termin zu erscheinen. Wenn ich meinem eineinhalb Jahre jungen Sohn sage, dass wir gleich, so in 15 Minuten einkaufen gehen, was meinen Sie, wie der mich anschaut? In der Situation wissen wir aber, wie wir das angehen können, handeln intuitiv richtig. Entweder stehen wir früher auf, um alles, das wir beeinflussen können, eher fertig zu bekommen, damit wir uns um den Nachwuchs kümmern können, ohne dass es für ihn stressig wird. Oder wir akzeptieren die Tatsache, dass es mit Kind manchmal unmöglich ist, pünktlich zu sein. Warum gelingt uns das aber bei den Senioren so selten? Da ist es doch am Ende nicht wirklich anders. Wir brauchen dafür Empathie und die fällt uns bei kleinen, süßen Kindern leichter, als bei einem störrisch und engstirnig wirkenden Greis.

Was ist eigentlich Empathie? Wikipedia sagt dazu auszugsweise folgendes:

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen gezählt, zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl.

Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung – je offener eine Person für ihre eigenen Emotionen ist, desto besser kann sie auch die Gefühle anderer deuten. (Wikipedia)

Besonders interessant sind dabei zwei Punkte:

1.   die Bereitschaft, andere zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen und

2.   zuerst offen für die eigenen Emotionen zu sein

 

Kommen wir zur Klärung der Frage, warum uns dieselben Dinge, die uns bei Kindern überhaupt nicht stören, bei Erwachsenen eher irritieren, wir diese sogar ablehnen und belächeln.

Es ist unter anderem das natürliche Gefühl, welches wir bei kleinen, süßen Kindern automatisch haben. Wir finden sie einfach entzückend. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu, dass wir Entwicklung lieben, Rückschritt jedoch verabscheuen.

Die Mutter, die bisher eine starke Frau gewesen ist, alles im Griff zu haben schien und sich selbst keine Schwäche eingestand, ist auf einmal nicht mal mehr dazu in der Lage, richtig zu essen, sie spielt sogar damit, nimmt alles in die Hand. Körperhygiene, die ihr bisher immer enorm wichtig gewesen ist, vernachlässigt sie. Wenn es darum geht, dass sie duschen soll, sträubt sie sich schon. Wie finden Sie das? Niedlich ganz sicher nicht.

Leben ist Veränderung, das sollten wir immer vor Augen haben. Was heute ist, muss morgen nicht mehr sein. Genau das hat heute ein Gärtner gesagt, als ich ihn fragte, was er an seinem Garten so liebe. Er antwortete: „Ich liebe die ständige Veränderung, immer wieder sieht der Garten anders aus. So ist es auch im Leben. Ich sollte die Veränderungen annehmen und stets dranbleiben, nicht stagnieren.“

Uns Menschen fällt es so schwer, im Hier und Jetzt zu sein. Entweder schwelgen wir in Erinnerungen oder wir denken ständig an die Zukunft. Der Begriff „lebe den Moment“ scheint eine Dummheit der Jugend zu sein. Aber genau das ist das Rezept für Empathie. Man muss den Augenblick annehmen, ihn willkommen heißen. Akzeptieren Sie den veränderten Angehörigen, der nicht mehr der „Norm“ entsprechen möchte, sagen Sie, so wie er ist, so ist er richtig. Er kennt es nicht anders, muss doch auch damit umgehen lernen.

Sobald wir etwas annehmen, es bejahen, können wir damit auch besser umgehen. Lehnen Sie den Menschen ständig ab, sagen, früher war er doch so fröhlich und unternehmungslustig, dann werden Sie immer Probleme damit haben, sich mit der Person richtig zu verstehen. Sie werden sich ärgern und den Menschen sogar gelegentlich innerlich verabscheuen.

Machen Sie doch einmal eine Übung, nur für sich selbst! Stellen Sie sich etwas vor, das Sie gerade sehr belastet -  eine unerwartet hohe Nachzahlung an das Finanzamt oder eine beunruhigende medizinische Diagnose. Wenn Sie nun im Geiste vor diese Ereignisse oder Gedanken ein großes „JA“ schreiben und es danach auch aussprechen, wird sich etwas in Ihnen verändern. Sagen Sie: „Ja, das Finanzamt hat festgestellt, dass ich noch viel erfolgreicher war, als gedacht. Ich werde hierfür eine Lösung finden und nehme diese Herausforderung an.“ „Danke, dass ich Steuern bezahlen darf, weil es bedeutet, dass ich auch etwas verdient habe.“ Oder sagen Sie: „Ja, ich bin ein Mensch, ja, ich habe Angst, ja, ich will leben. Eine Krankheit kann mich daran nicht hindern, das Leben jetzt zu genießen. Ich kann es nicht ändern, wenn es so ist, was mache ich mir also Sorgen? Ja zum Leben, danke, dass Ärzte erkennen können, was mit mir los ist. Ja, ich akzeptiere, was auch immer ist und werde es in mein Leben aufnehmen.“

Es geht nicht darum, hier irgendwas schön zu reden, keinesfalls. Es geht nur darum, es anzunehmen und zu bejahen. Gegen etwas anzukämpfen, was nicht zu ändern ist, ist vollkommen sinnlos, ähnlich, als wolle man ständig mit dem Kopf durch die Wand laufen. Das tut nur weh, hilft aber nicht. Sparen Sie sich die Energie für schönere Dinge auf.

Kürzlich sah ich einen Bericht im Fernsehen über die besten Nationaltorhüter Deutschlands. Toni Schuhmacher zeigte dabei seine Hände, an denen so ziemlich alle Finger mehrmals gebrochen waren und die ziemlich schief aussahen. Er zuckte nur mit den Schultern und sagte: „Wenn ich mir einen Finger im Spiel brach, habe ich weitergemacht, ich hatte ja noch neun weitere, unversehrte Finger zur Verfügung.“ Klingt sicher etwas verrückt, jedoch kann man das auch ein Stück weit nachvollziehen, denn in einem solchen Spiel ist so viel Adrenalin im Blut, dass die Schmerzen im Gehirn gar nicht wahrgenommen werden. Wenn man den Fokus von der kranken Stelle wegnimmt, kann man alles ganz normal fortführen. Man hat doch immer noch viel mehr Stärken als dieses eine kleine Handicap. (...)

 

Lieber auf Wolke vier

 

Das Leben fühlt sich oft sehr brutal an oder? Wir erleben die Höhen wie einen Rausch, fallen aber auch immer wieder mit voller Wucht auf den Boden der Tatsachen zurück. Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, so kennen wir es doch. Wir streben aber auch immer das große Glück an, wollen unbedingt nach ganz oben, auf Wolke sieben. Wenn es sich nicht so anfühlt, sind wir enttäuscht.

Warum entscheiden wir uns im Freizeitpark eher für die Loopingbahn als für eine etwas ruhigere aber trotzdem großartige Achterbahn? Weil wir den Kick lieben, das Kribbeln im Bauch. Sie halten nun ein Buch in der Hand, welches sich mit der Thematik „Stress“ befasst.

Warum schreibe ich also, wie schon in der Überschrift erwähnt, von der Wolke vier? Ganz einfach. Extravagante Wünsche verursachen einfach nur Stress in unserem Gehirn und lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Deshalb ist es empfehlenswert, nicht immer zu versuchen, auf Wolke sieben zu gelangen, sondern möglichst eine Dauerflugkarte für Wolke vier zu bekommen. Extreme wirken auf unseren Körper auch extrem.

Wenn Sie eine radikale Diät machen und in kürzester Zeit abnehmen wollen, gelingt Ihnen das auch. Ihr Gehirn braucht zur Motivation Beweise, dass sich der Verzicht auch lohnt. Bald kommen Sie an einen Punkt, da verändert sich die Waage nicht mehr, Sie beginnen zu denken, dass es keinen Sinn macht, auf ein genussvolles Leben zu verzichten. Danach nehmen Sie schnell wieder zu und haben am Ende noch drei Kilo mehr drauf. Wenn Sie es langsam angegangen wären, Reduktion von Kalorien am Tag aber nicht kompletter Verzicht, statt Nudeln einfach Kartoffeln, statt Chips einmal leckere Heidelbeeren, dann hätten Sie es auch eher durchgehalten. Es ist gar nicht mehr nötig, standhaft zu bleiben, denn es wird zu Ihrer Überzeugung und fortan zu Ihrem Leben dazugehören. Sie ernähren sich einfach besser und gesünder, ohne fulminanter Unterschiede zu vorher.

Auch weiterhin können Sie etwas genießen, wenn Ihnen danach ist, Sie kennen aber das Maß und teilen es entsprechend ein. 

Ich mache gerade genau solch eine Umstellung mit. Von einem erfahrenen Ernährungsberater begleitet, habe ich meine komplette Ernährung so angepasst, dass es für mich das Maximum an Verzicht darstellt, den ich dauerhaft aushalten kann. Ich trinke nur noch einmal in der Woche ein Bier, habe Obst gegen Chips und Salat gegen Fastfood eingetauscht. Das halte ich nun schon viele Monate so durch, wenngleich ich jetzt nicht mehr abnehme, jedoch auch nie mehr als zwei Kilo zunehme. Ziel meiner Nahrungszufuhr ist nicht mehr das Sättigungsgefühl, sondern vielmehr der Genuss von Lebensmitteln. So verhält es sich auch mit Wolke vier. Gehen Sie es vorsichtig an und machen Sie das, was sich auch dauerhaft gut für Sie anfühlt.

Ich sage meistens, dass ich ein Leben führen möchte, in dem ich keinen Urlaub brauche. Es sollte sich an 365 Tagen im Jahr gut anfühlen, nicht nur in den wenigen Tagen der Erholung. Das ist traurig und man erlangt eben nur für kurze Zeit das Gefühl von Wolke sieben, der Rest der Zeit fühlt sich vielmehr nach Wolke minus eins an. Arbeiten Sie daran, dass sich Ihr Leben täglich so anfühlt, wie Sie es sich wünschen und zwar dauerhaft. Kein Mensch möchte den ganzen Tag Achterbahn fahren, aber ein sanftes, angenehmes Wippen darf es schon sein. Wenn Sie Sie auf Wolke vier schweben, wird Ihr Leben ruhiger und der Stress lässt nach. Sie vermeiden dadurch auch den ständigen Absturz nach Höhenflügen und sparen sich viele schmerzhafte Erfahrungen. (...)